Biothane oder Leder? Welches Material eignet sich besser für Reitzubehör?

Leder gehört seit Jahrhunderten zur klassischen Reitausrüstung. Manche Reiter entscheiden sich aber auch für Biothane, besonders im Gelände-, Wander- und Distanzreiten. Beide Materialien besitzen klare Vorteile. Welche Variante besser zu Ihnen und Ihrem Pferd passt, hängt neben persönlichen Vorlieben an Optik und Haptik auch vom Einsatzbereich und dem möglichen Pflegeaufwand ab.

Was ist Biothane eigentlich?
BioThane® ist ursprünglich ein Markenname für beschichtetes Gurtband. Im Inneren befindet sich ein stabiles Polyestergewebe, das mit TPU oder PVC ummantelt wird. Diese Beschichtung macht das Material wasserfest, abwaschbar und vergleichsweise pflegeleicht. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff „Biothane“ inzwischen häufig auch für ähnliche beschichtete Gurtbänder anderer Hersteller verwendet. Nicht jedes als Biothane bezeichnete Produkt besteht daher automatisch aus originalem BioThane®-Material.

Je nach Ausführung kann die Oberfläche glatt, matt, glänzend, lederähnlich oder besonders griffig gestaltet sein. Die Beta-Serien des Herstellers wurden beispielsweise speziell für Tier- und Reitsportartikel entwickelt. Einige Varianten ähneln optisch Leder, während andere mehr Griff für Zügel bieten.

Eigenschaft Biothane Leder
Pflege Meist mit Wasser und einem Tuch zu reinigen Regelmäßige Reinigung und Lederpflege empfehlenswert
Nässe Wasserfest und schnell wieder einsatzbereit Kann je nach Lederart und Verarbeitung Wasser aufnehmen
Optik Gleichmäßige Oberfläche und große Farbauswahl Natürliche Maserung und klassische Ausstrahlung
Haptik Je nach Beschichtung glatt, weich oder griffig Natürlich, anschmiegsam und mit der Zeit oft geschmeidiger
Gewicht Häufig leicht Abhängig von Lederart und Materialstärke
Reparatur Beschädigte Bereiche müssen meist ersetzt werden Kann von Fachbetrieben teilweise repariert oder nachgenäht werden
Pflegeaufwand Gering Höher
Individualität Viele kräftige Farben und Farbkombinationen Natürliche Farbabweichungen und individuelle Patina

Die Vorteile von Biothane
Biothane eignet sich besonders für den täglichen Einsatz bei wechselhaftem Wetter. Schlamm, Regen und Schweiß lassen sich in der Regel einfach abwaschen. Das Material muss nicht eingefettet werden und trocknet nicht wie unbehandeltes Leder aus.
Originales BioThane® bleibt laut Hersteller auch bei niedrigen Temperaturen flexibel. Die Farbbeständigkeit kann jedoch je nach Farbton und Ausführung unterschiedlich ausfallen.
Gerade für Offenstallpferde, Geländereiter und Distanzreiter ist die unkomplizierte Pflege ein großer Vorteil. Auch farblich bietet Biothane deutlich mehr Möglichkeiten als klassisches Leder.

Die Vorteile von Leder
Hochwertiges Leder überzeugt durch seine natürliche Optik, seine angenehme Haptik und seine traditionelle Ausstrahlung. Bei guter Pflege kann es sehr viele Jahre verwendet werden und entwickelt mit der Zeit eine individuelle Patina. Außerdem lassen sich viele Lederartikel von einer Sattlerei nachnähen, anpassen oder teilweise reparieren. Dafür benötigt Leder regelmäßige Pflege. Je nach Gerbung und Oberflächenbehandlung kann direkter Kontakt mit Wasser zu Verfärbungen, Verhärtungen oder Formveränderungen führen. Nach starkem Regen sollte das Material langsam trocknen und anschließend mit geeigneten Pflegeprodukten behandelt werden.

Für welche Reitartikel kann Biothane verwendet werden? Beschichtetes Gurtband lässt sich für zahlreiche Bereiche der Pferdeausrüstung einsetzen. Besonders verbreitet ist es bei:
Halftern und Führstricken: Biothane-Halfter lassen sich nach dem Weidegang oder Offenstallaufenthalt schnell reinigen. Für Führstricke oder Anbindestricke wird das Material häufig mit Seil, Handschlaufen oder zusätzlicher Polsterung kombiniert.
Trensen und gebisslosen Zäumungen: Biothane kann für Kopfstücke, Backenstücke, Stirnriemen, Kehlriemen und Nasenriemen verwendet werden. Wichtig sind eine sorgfältige Verarbeitung und eine passende Polsterung an empfindlichen Bereichen.
Zügeln: Für Zügel stehen glatte, genoppte oder besonders griffige Ausführungen zur Verfügung. Die Beta-560-Serie wurde beispielsweise für Anwendungen entwickelt, bei denen mehr Griff benötigt wird.
Vorderzeugen und Brustblättern: Das wasserfeste Material eignet sich gut für Ausritte, Distanzritte und andere Disziplinen, bei denen die Ausrüstung regelmäßig mit Schweiß, Wasser und Schmutz in Kontakt kommt.
Der Hersteller nennt Halfter, Trensen, Zügel und Brustblätter ausdrücklich als typische Einsatzbereiche.
Martingalen und Halsringen: Auch hier ist Biothane wegen seiner Formstabilität und einfachen Reinigung beliebt.
Longen und Langzügeln: Besonders bei Bodenarbeit im Freien kann die pflegeleichte Oberfläche praktisch sein.
Fahrgeschirren: Für einzelne Bestandteile von Geschirren stehen besonders starke und dicke Materialvarianten zur Verfügung. Die verwendete Stärke und Konstruktion muss dabei immer auf die Belastung abgestimmt sein.
Steigbügelriemen: Einige Hersteller fertigen auch Steigbügelriemen aus beschichtetem Gurtband. Da diese sicherheitsrelevant und dauerhaft hohen Belastungen ausgesetzt sind, sollten Sie ausschließlich speziell dafür entwickelte Produkte mit nachvollziehbaren Belastungswerten verwenden.

Biothane ist nicht für jeden Artikel automatisch die beste Wahl. Bei breiten Auflageflächen, empfindlichen Pferden oder besonders druckbelasteten Bereichen können Polsterungen oder Kombinationen mit Leder, Neopren oder weichen Textilien sinnvoll sein.

Was unterscheidet hochwertige von günstiger Biothane?
Ein niedriger Preis bedeutet nicht zwangsläufig eine schlechte Qualität. Entscheidend ist vielmehr, ob Hersteller und Anbieter genaue Angaben zum Material, zur Stärke, zum Gurtbandkern und zur Belastbarkeit machen.
1. Das innere Gurtband Die Beschichtung allein bestimmt nicht die Stabilität. Im Inneren befindet sich das tragende Gewebe. Bei hochwertigem Material sind Breite, Stärke und Belastungswerte klar definiert. Für die Beta-520-Serie veröffentlicht der Hersteller beispielsweise Angaben zur Materialstärke, Bruchlast und Belastbarkeit im Bereich von Schnallen. Fehlen solche Angaben vollständig, lässt sich schwer beurteilen, ob das Material lediglich für dekorative Produkte oder auch für belastete Reitartikel geeignet ist.
2. Die Qualität der Beschichtung Eine hochwertige Beschichtung sollte gleichmäßig, flexibel und fest mit dem Gurtband verbunden sein. Sie sollte sich beim Biegen nicht sofort weiß verfärben, spröde wirken oder an den Kanten ablösen. Bei günstigen Alternativen können mit der Zeit Risse, harte Stellen oder sich lösende Beschichtungen auftreten. Das muss nicht bei jedem preiswerten Material der Fall sein, ist jedoch ein Grund, beim Kauf auf Verarbeitung und Herkunft zu achten.
3. Die passende Stärke Dicker ist nicht automatisch besser. Ein schmaler Trensenriemen benötigt eine andere Materialstärke als ein Brustblatt oder ein Bestandteil eines Fahrgeschirrs. Hochwertige Hersteller bieten deshalb unterschiedliche Breiten, Profile und Stärken an. Für Zügel können griffige Varianten sinnvoll sein, während Kopfstücke eher weich und flexibel sein sollten.
4. Schnallen und Verbindungselemente Auch das beste Gurtband ist nur so zuverlässig wie seine Verarbeitung. Achten Sie deshalb auf stabile Schnallen, sauber gesetzte Nieten oder Schrauben sowie ordentlich verarbeitete Löcher und Enden. Besonders bei Zügeln, Vorderzeugen, Steigbügelriemen und Fahrgeschirren sollten sämtliche Verbindungspunkte regelmäßig kontrolliert werden.
5. Nachvollziehbare Materialangaben Originales BioThane® ist ein klar definierter Markenwerkstoff. Bei anderen beschichteten Gurtbändern sollten Anbieter möglichst genau angeben, um welches Material es sich handelt. Bezeichnungen wie „Biothane-ähnlich“ oder „beschichtetes Gurtband“ sind nicht automatisch ein Qualitätsmangel, sollten aber nicht mit originalem BioThane® gleichgesetzt werden.

Welches Material passt zu Ihnen?
Biothane ist besonders interessant, wenn Sie pflegeleichtes, wasserfestes und farbenfrohes Reitzubehör suchen. Für Geländeritte, Distanzreiten, Bodenarbeit und den täglichen Stallgebrauch bietet es viele praktische Vorteile.
Leder ist eine gute Wahl, wenn Sie eine klassische Optik, eine natürliche Haptik und traditionelles Handwerk schätzen. Mit regelmäßiger Pflege kann hochwertiges Leder sehr lange halten und bei Bedarf häufig angepasst oder repariert werden. Ebenso ist eine Kombination beider Materialien möglich: Biothane an häufig verschmutzten Stellen, Leder oder weiche Polsterungen in sensiblen Bereichen.
Entscheidend ist nicht allein das Material, sondern die passende Stärke, eine pferdegerechte Passform und eine hochwertige Verarbeitung.

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